Wiederaufbau Nürnbergs


Wiederaufbau Nürnbergs
Wiederaufbau Nürnbergs
Clubhotel
Herr Michael Kaiser, persönlicher Referent von Bürgermeister Gsell
Vortrag über die Zerstörung und den Wiederaufbau
Nürnbergs mit zum Teil unveröffentlichten Bildern

Herr Kaiser führte uns mit Bildern und ausführlichen Beschreibungen in die Zeit vor der Zerstörung Nürnbergs, durch die Tage der Bombenangriffe
und in die Jahre und Jahrzehnte des Wiederaufbaus. Ein überaus empfehlenswerter Vortrag, der durchaus noch länger und umfangreicher hätte sein können, da Nürnberg eine geschichtsträchtig Stadt ist und sich soviel seither verändert hat.
Grundlage des Vortrags von Michael Kaiser ist das Gedenkjahr 2005, 60igster Jahrestag des Kriegsendes, und das Zeitzeugenprojekt der Stadt Nürnberg, das in einem Film, einer Publikation und diesen Vortrag gemündet hat.

Gleich zu Beginn der Ausführungen die Feststellung, dass sich für Nürnberg städtbaulich Chancen eröffnet haben und in Anbetracht des Zerstörungsgrades der Wiederaufbau am gelungensten geworden ist; dies im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten gesehen. Der Wiederaufbau gelang in einem sehr kurzen Zeitraum, hauptsächlich bezogen auf die sechsiger Jahre. Wer heute durch die Innenstadt Nürnbergs geht, tut sich schwer, noch Kriegsruinen zu erkennen.

Herr Kaiser hat über viele Jahrzehnte hinweg eine große Sammlung an Bildern
aufgebaut, aus denen zum Teil unveröffentlichte Fotographien gezeigt wurden. Es wurde versucht einen Dreiklang herzustellen: Situation vor der Zerstörung, der Platz, die Straße nach 1945 und wie sieht es heute aus. Auch die Fragen nach den Ideen des Stadtrates, der Strategien des Wiederaufbaus sind ergründet worden, bishin zu den Vorgehensweise des Bombenkrieges der angreifenden Streitmächte. Und auch sozialgeschichtliche Gesichtspunkte die erklären sollen, wie die Bevölkerung die Angriffe und Zerstörung der Stadt erlebt haben. Wie waren die Lebensbedingungen und wie konnte man in dieser Situation überhaupt überleben.

In der Innenstadt, im Vortrag bezogen auf den Bereich innerhalb der Stadtmauer, kam es zu einen Zerstörungsgrad von zwischen 85 bis 90 Prozent, auf die Gesamtstadt bezogen 65 Prozent. 1955 hat der Stadtrat durch einen Bericht zur Kenntnis genommen, dass Nürnberg enttrümmert ist. Dies bedeutete nicht, dass die Ruinen abgeräumt waren, sondern nur die Schuttberge, die Steinhaufen sind aus der Stadt gebracht worden. Die ungefähr 11 Millionen Kubikmeter Maße wurden in den Bereich des heutigen Marienbergs gebracht. Nürnberg ist somit unter den 5 meistzerstörtesten Städt zu zählen. Berlin und Hamburg gehören beispielsweise nicht dazu; diese Städt wurden zwar heftiger bombartiert, aber flächenmässigdie Angriffe besser verkraftet haben. Vor Nürnberg liegen u.a. die Städt Mannheim und Dresden.

Nürnberg war bis zu seiner Zerstörung die einzige deutsche Großstadt, die ihren mittelalterlichen Kern bewahrt hatte. Aus Kostengründen wurde ein Aufbrechen der 5,3 Kilometer langen Stadtmauer in den 1870igern nicht weiter erwägt und es bliebt bei den 4 großen Türmen (u.a. Äußerer Laufer Torturm
, Weisser Turm) , durch das Tiergärtnertor
und zwei kleine Fußgängertürchen, jeweils am Pegnitzein- und ausfluß.

Der Abendangriff der Royal Airforce am 2. Januar 1945 veränderte das mittelalterliche Stadtbild Nürnbergs binnen 90 Minuten. Die Stadt hat insgesamt 59 schwere Bombenangriffe erlebt. 40 davon mit sehr deutlicher Trefferwirkung auf das Stadtgebiet.

Der Angriff am 2. Januar 1945 wurde im Detail sehr genau festgehalten, da er der Royal Airforce als eine Art Musterangriff auch für andere Städte hat dienen sollen. In den Abendstunden griffen 900 4-motorige Bomber in vier dicht aufeinanderfolgenden Wellen die Nürnberger Altstadt an. Ein Gebiet ohne jegliche militärische, strategische oder wirtschaftliche Relevanz. Mit sogenannten “Christbäumen” markierten die RAF Pathfinder das Ziel. Die erste Welle traf mit leichten Sprengbomben (5 bis 10 Zentner) ein und deckte damit die Dächer ab. In der Zweiten und dritten Welle wurden dann bis zu 1 Million Stabbrandbomben geworfen, um den Feuersturm über der Stadt zu entfachen. Die vierte und letzte Welle hat dann zum Schluss die sogenannten Blockbuster abgeworfen; Luftminen mit bis zu 1,5 Tonnen Gewicht. Der Feuersturm ist der Stadt erspart geblieben.

Die Menschen in Nürnberg fühlten sich in den Jahren der Bombenangriffe relativ sicher. Es war nicht nur eine gefühlte Sicherheit, sondern sie wurde auch tatsächlich erreicht. Aus Historikersicht und sachlich bewertet sind die Zivilopfer “nur” mit ca. 6.500 zu beziffern. Sachlich gesehen ist die Opferzahl gering, wenn man sich den Zerstörungsgrad, die Anzahl und die Dauer der Angriffe vor Augen hält. Der Ausbau der Luftschutzeinrichtungen hat zur Folge, dass 1944 für jeden Nürnberger ein sicherer Platz zur Verfügung stand.

1938 war die letzte offizielle Bevölkerungszählung. Es waren 432.400 Einwohner in der Stadt. Durch den Fastzusammenbruch der Bürokratie muss man heute etwas “querdenken” um über die Lebensmittelkarten und andere Anhaltspunkte auf die Zahl von 178.000 Menschen im Februar 1945 zu kommen. Die Bevölkerung wurde immer weniger, jeder der konnte und Beziehungen ins Umland der Stadt hatte, floh aus ihr. Als am 1. Juni 1945 die Amerikaner die erste Kartenausgabe arrangierten, ist die Bevölkerung wieder auf 209.000 angewachsen.

Im April 1945 hat Nürnberg gegen jegliche militärische Vernunft 4 Tage heftigste Kämpfe in der Stadt erlebt. Häuserkampf, durch die komplette Stadt hindurch. Die Amerikaner sind von Norden, über Heroldsberg, in der Stadt gekommen und mussten sich durchkämpfen und als sie am 20. April 1945 die Siegesparade in den frühen Abendstunden am Hauptmarkt abgehalten haben, wurde in den letzten Widerstandsnestern rund um den Palmenhof heftigst gekämpft. Die Nachbarstädte Erlangen und Fürth hatten da mehr Glück; wurden rechtzeitig geräumt und kampflos übergeben.

Die Bevölkerung wuchs bis 1946 281.000 Einwohner an. Aufgeteilt in 230.000 Erwachsene, 29.000 Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren, 15.000 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren sowie 7.000 Kleinstkinder und Säuglinge.

Die Zeit des Wiederaufbaus
Der Architekt Schmeissner gewann zusammen mit Herrn Schrecktental den Wiederaufbauwettbewerb der Stadt Nürnberg und veranschlagte ca. 30 Jahre für den Wiederaufbau, welcher in grossen Teilen bereits Mitte der 60iger Jahre
vollzogen war. Die grossen Trümmerfelder waren noch da, aber nicht mehr so deutlich und auffällig. Im Rahmen des Wiederaufbaus wurde u.a. entlang der Pegnitz die Hochwassergefahr eingedämmt, man hat also hier die Chance genutzt städtebauliche Maßnahmen von Grund auf zu integrieren und so zukünftigen Schaden von der Stadt abzuwenden. Die Kaiserburg wurde durch den Freistaat Bayern bis 1951 wieder aufgebaut. Als eine der ersten “Bausünden” wurde das Kaufhofgebäude 1953 fertiggestellt.

Die Altstadt war bis 1938 mit knapp 37.000 Einwohner das dichtest besiedelste Viertel Nürnbergs, aktuelle Zahl 2009 knappe 10.- bis 11.000 Einwohner.